Kundalini Yoga

Kundalini Yoga verbindet dynamische Elemente mit ruhigen Elementen, um die inneren Energien zu wecken und ins Gleichgewicht zu bringen. Dabei arbeitet Kundalini Yoga mit körperlichen Haltungen (Asanas), gezielter Atemführung (Pranayama), Handhaltungen (Mudras), innerer Energielenkung (Bhandas) und Meditationsworten (Mantras).

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Eine typische Kundalini Yogastunde dauert 1,5 Stunden und setzt sich wie folgt zusammen:

  • Aufwärmübungen
  • Gemeinsames Einstimmen auf die Yogastunde
  • Übungsreihe (Kriya) bestehend aus verschiedensten Elementen
  • Lange, tiefe Entspannung
  • Meditation
  • Gemeinsames Ausstimmen zum Abschluss

Regelmäßiges Praktizieren von Kundalini Yoga stärkt Deinen physischen Körper, verbessert Deine Atmung und Haltung. Darüber hinaus fördert es Deine Intuition und hilft Dir ein höheres Bewusstsein für Dich und Deine Umwelt zu entwickeln. Die unterschiedlichen Elemente des Kundalini Yoga lassen Dich Entspannung und geistige Ruhe finden.

Kundalini Yoga ist somit das Yoga des Bewusstseins und vermittelt Glück und Freude für alle Lebensbereiche und hilft Dir, Deinen Alltag mit Gelassenheit und Flexibilität zu meistern.

Kurszeiten und Preise findest Du hier.

 

Historische Einordnung des Kundalini-Yoga

Kundalini Yoga geht auf Hatha-Yoga zurück. Hatha bedeutet „Gewalt, Kraft, Anstrengung“ und weist auf die Anstrengungen des wirkungsvollsten Yoga hin, das auch unter den Begriffen Asthanga Yoga, Kundalini Yoga oder Raja Yoga bekannt ist. Letztendlich geht es um die göttliche Selbstverwirklichung und Erleuchtung. Durch die Wissenschaft des Yoga soll die Kundalini-Shakti, die sog. Schlangenkraft, geweckt werden, da sie das Potential aller überhaupt existierenden Bewusstseinsebenen innehat.

Kundalini Yoga wie es heute in der westlichen Welt praktiziert wird, geht auf Yogi Bhajan (1929-2004) zurück. Dieser wurde 1967/68 von seinem spirituellen Meister Maharaj Virsa Singh (1934-2007) nach Kanada und die USA geschickt. Von seinem Meister übernahm er die spirituellen Komponenten des späteren Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan, wie z.B. die Mantren aus der Tradition der Sikh und die damit verbundenen Meditationen. Die körperlichen Übungen gehen zurück auf den Hatha Lehrer Swami Dhirendra Brahmachari (1924-1994), der wiederum ein enger Schüler des Hatha-Lehrers Guru Maharshi Kartikeya (gest. 1953) war.

Dieser hat es in den Zeiten seiner Wanderschaft von praktizierenden Yogis im Himalaya empfangen. Es ist das Wissen der auf die uralten Yogis Goraksha und Matsyendra zurückgehenden „Guru-Shishya-Parampara“, der traditionellen Erbfolge von Meister und Schüler. Es entspricht in allen Teilen den Überlieferungen der Yoga-Shastra, d.h. den Basis-Texten des Yoga wie z.B. „Hathayoga-Pradipika“, „Gheranda-Samhita“, „Shiva-Samhita“, „Patanjala Yoga-Darshana“ oder der „Goraksha-Paddhati“. Dabei geht es stets um die Verwirklichung des göttlichen Selbst durch praktische Übungen, Hingabe, Glaube, Vertrauen und Ausdauer. Yoga in seiner wirklichen Form ist eine praktische Wissenschaft, die das gesamte menschliche Wesen, Seele, Geist und Körper, in diesen Prozess der Transformation einbezieht.

Nach den wissenschaftlichen Untersuchungen von Philip Deslippe von der University of California, war Yogi Bhajan regelmäßig Teilnehmer der Hatha-Yogakurse von Swami Dhirendra Brahmachari in Neu-Delhi aber nie ein enger Schüler. Yogi Bhajan selbst hat bis Dezember 1970 immer nur Maharaj Virsa Singh als seinen Meister bezeichnet. Mit diesem brach er allerdings während einer Indienreise mit 84 seiner amerikanischen Schüler im Dezember 1970.

Nach seiner Rückkehr in die USA entwickelte er aus den Lehren von Maharaj Virsa Singh und Swami Dhirendra Brahmachari, sowie Inhalten seiner Sikh-Religion nach und nach das Kundalini-Yoga wie wir es heute kennen und praktizieren. Allerdings veränderte er die traditionellen Übungen des Hatha-Yoga signifikant und vermischte diese mit den spirituellen Lehren seines Meisters und dem Sikhismus. Eine Verbindung und Vermischung, die es in der indischen Tradition so nicht gegeben hat. Er erschuf somit etwas Neues, welches sich sehr gut in den Alltag der westlichen Gesellschaft integrieren ließ und immer noch lässt.

Somit finden seine Lehren bis heute breiten Zulauf in der westlichen Welt. Das zeigen eindrucksvoll die vielen Kundalini-Yoga Zentren und Lehrer in der ganzen Welt, seine weltweite Happy, Healthy and Holy-Organisation (3HO) und die vielen Wirtschafts-unternehmen (wie z.B. Yogi Tee), die auf ihn zurückgehen.

Die positive Wirkung, die Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan auf Körper, Geist und Seele haben sind nachweislich vorhanden und werden auch durch die von ihm verbreiteten historischen Ungereimtheiten und seine immer mehr an die Öffentlichkeit kommenden persönlichen Defizite nicht geschmälert.

Unsere Yoga-Kurse basieren im Kern auf dem Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan, werden aber ergänzt durch Übungen aus dem traditionellen Hatha-Yoga und weichen, wenn sinnvoll, von den Vorgaben des Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan ab.

 

Quellen/Literatur:

Philip Deslippe, From Maharaj to Mahan Tantric – The construction of Yogi Bhajan’s Kundalini Yoga, Sikh Formations, Vol. 8, No. 3, December 2012, S. 369-387.

Reinhard Gammenthaler, Kundalini-Yoga-Parampara, Simowa Verlag, Bern, 2015.

Pamela Saharah Dyson, Premka – White Bird in a Golden Cage, Eyes Wide Publishing, 2019.

Interview von Yoga-aktuell mit Reinhard Gammenthaler: https://www.yoga-aktuell.de/menschen-und-orte/interviews/alles-nach-gottes-plan/ (Abruf am 13.04.2020)

Foto: Marion Michele via Unsplash